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Jahresbericht 2002

(Auszug)

Le Laudi, der Sonnengesang des Franziskus von Assisi aus dem Jahr 1224, stand im Zentrum der musikalischen Arbeit im Lehrergesangverein Zürich.

Der 1870 in Kaiserstuhl geborene Schweizer Komponist Hermann Suter hat den Text des Heiligen aus Italien in neun Bilder gefasst. Mit reicher Farbgebung zeichnete er seine Bilder in tiefer Naturversenkung und andächtiger Lobpreisung Gottes und zeigte sich dabei als ein Meister der Form und der Satzkunst. Dabei schöpfte er alle Mittel spätromantischer Musikvorstellung voll aus.

Ergreifende lyrische Solostellen, kraftvolle Orchester- und Chorsätze, unterschiedliche Klangfarben, rasche Tempowechsel, Vielfalt der Rhythmik sorgen dafür, dass der Konzertbesucher stets im Banne dieses Werkes bleibt.

Mit viel Spannung und Neugierde haben vor einem Jahr der Lehrergesangverein und seine neue musikalische Leiterin die Zusammenarbeit begonnen. Noch vor den Sommerferien war das Werk für das Tonhallekonzert 2002 bekannt gegeben worden: die h-moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Monica Buckland hatte sich damit ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Viele Chormitglieder fragten sich, ob wir dieses wunderbare aber sehr anspruchsvolle Werk schaffen würden. Gespannt war man darauf, wie wohl die neue Dirigentin die Proben gestalten würde. Die Ankündigung, dass jede Sängerin und jeder Sänger Monica Buckland kurz vorsingen müsse, führte zu Nervosität. Das Vorsingen haben alle bestens überstanden. Es bot die Möglichkeit für Chormitglieder und Dirigentin, sich besser kennen zu lernen. Mit der effizienten Gestaltung der Proben hat Monica Buckland die meisten SängerInnen bald für sich gewinnen können. Mit Begeisterung, die automatisch auf den Chor überschwappte, studierte sie Satz für Satz ein. Es gelang Monica Buckland, auch Bach gegenüber skeptisch eingestellte SängerInnen von der Schönheit dieser Musik zu überzeugen. Die h-moll-Messe wirkte als Magnet für neue Chormitglieder. Die Schnupperprobe war ein voller Erfolg. Durch Abgänge entstandene Lücken konnten wieder gefüllt werden, erfreulicherweise durch einige junge Stimmen.

Monica Buckland brachte auch eine neue Korrepetitorin mit. Gabriela Roth bereicherte mit ihrem virtuosen Klavierspiel unsere Probearbeit. Wie bis anhin sorgte die Sopranistin Barbara Böhi mit ihren gut vorbereiteten Stimmbildungsblöcken für die Sicherung der stimmlichen Qualität.

Dem Wunsch, doch nebst dem Hauptprogramm auch noch ein kleineres Programm einzustudieren, kam Monica Buckland nach. Als Ausgleich zur Musik von Bach wurden Werke von den englischen Komponisten Henry Purcell, Samuel Sebastian Wesley und Ralph Vaughan Williams geprobt und am 17. März 2002 in der Kirche Albisrieden aufgeführt. Die Chorwerke aus dem 17., 19. und frühen 20. Jahrhundert sind Vertonungen von Psalmen, die Lob, Preis und Freude ausdrücken. Von allen Stücken existiert eine Orgel- und eine Orchesterfassung. Für die Kirche Albisrieden wurde die intimere Orgelversion gewählt. Diese für uns vorwiegend unbekannte Musik stiess auf Gefallen. Gerne hätten die Chormitglieder noch mehr Zeit zur Verfügung gehabt, sich mit diesen schönen Klängen auseinander zu setzen, einerseits des Genusses wegen, andererseits aber auch um noch mehr Sicherheit zu gewinnen.

Nach dieser englischen Zwischenphase wurde die Probenarbeit für das Hauptwerk wieder aufgenommen. Das zweistündige Werk, das zu Bachs Lebzeiten wohl nie als Ganzes aufgeführt worden ist, hatte noch einige Tücken, die bis zur Aufführung bewältigt werden mussten. Während der intensiven Probearbeit vermittelte Monica Buckland häppchenweise viel Hintergrundwissen zum Aufbau der h-moll-Messe.

Wie gewohnt verlieh das Probeweekend kurz vor dem Konzert den für die Endphase nötigen Schwung. So wurden in den letzten zwei Wochen die Proben, vor allem auch diejenigen mit dem Orchester und den Solisten, zu einem wahren musikalischen Genuss, dessen Höhepunkt das Konzert vom 16. Juni 2002 in der Tonhalle Zürich bildete.

Das erste Jahr der Zusammenarbeit mit Monica Buckland ist also erfolgreich verlaufen, Chor und Dirigentin haben sich gefunden und auch die Bewährungsprobe in der Tonhalle erfolgreich gemeistert.

Einige dunkle Wolken sind aber trotzdem noch am LGV-Himmel zu sehen.

Die Sicherung des Bestandes ist eine alte Sorge. Zwar bringen die Schnupperproben immer wieder neue Mitglieder. Andererseits ist es auch in unserem Chor zu verspüren: Man bleibt nicht mehr unbedingt drei bis vier Jahrzehnte Mitglied des LGV! Der Werktourismus breitet sich aus. Es ist schön, vom geprobten Werk begeisterte neue SängerInnen gewinnen zu können. Für die Kontinuität des Chors und die Planung der Dirigentin erweisen sich aber die vielen Wechsel eher als hinderlich.

Ein weiteres Problem ist finanzieller Art. Tonhalle-Projekte erzeugen hohe Kosten, die mit den Billetteinnahmen alleine nicht gedeckt werden können. So sind wir jedes Jahr auf Gönnerbeiträge angewiesen, die das eingefahrene Defizit mindern sollen. Gönner zu finden zeigt sich aber zusehend als schwierigeres Unterfangen. Der Grossteil der angeschriebenen Firmen beantwortet Gesuche negativ. Persönliche Beziehungen zu Firmen können am ehesten zu Gönnerbeiträgen verhelfen.

Bei der Nachwuchssuche, beim Werben von Gönnern und Verkaufen von Billetten muss in Zukunft jedes einzelne Chormitglied einen noch grösseren Einsatz leisten, wenn auch in Zukunft Konzerte in der Tonhalle zusammen mit grossartigen Orchestern durchgeführt werden sollen.

Im August startet der Lehrergesangverein mit einem neuen Projekt: Le Laudi vom Schweizer Komponisten Hermann Suter. Vielleicht gibt es unter den LeserInnen dieses Jahresberichtes solche, die Lust haben, sich mit diesem schönen Musikstück auseinander zu setzen, und einmal an einem Montagabend um 19.30 Uhr im Singsaal der Kantonsschule Riesbach beim LGV schnuppern wollen.

Abschliessend möchte ich meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Vorstand für ihren Einsatz zum Wohle des Chores herzlich danken. Mein Dank geht aber auch an alle Chormitglieder, die immer wieder grössere und kleinere Dienste für den LGV leisten.




 





Konzertchor Diverticanto | Felix Reolon, Dirigent | Ida-Sträuli-Strasse 87 | 8404 Winterthur | E-Mail | Letzte Änderung: 19.07.2017