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Frühling
Das diesjährige Tonhallekonzert des Lehrergesangvereins Zürich trägt den program­matischen Titel Frühling.
Der Frühling und die damit verbundenen Gefühle und Gedanken bilden den Aus­gangspunkt der drei zur Aufführung gelangenden chorsinfonischen Werke. Es ist interessant, auf welch vielfältige Weise die Komponisten Haydn, Mendelssohn und Rachmaninow mit ìhren Textdichtern sich dieser Umsetzung angenommen haben.

Der Frühling von Joseph Haydn ist der erste Teil seines bekannten Oratoriums Die vier Jahreszeiten. Angeregt durch den Erfolg seiner Schöpfung schuf Haydn 1799-1801 das eigentlich aus 4 Kantaten bestehende Werk, wobei aus der Perspek­tive der Bauersleute Hanne, Simon und Lucas der Ablauf eines Jahres mit den Freuden und Sorgen des Landlebens geschildert wird. Den Text besorgte wiederum Baron van Swieten, wobei dieser auf den englischen Dichter James Thomson zurückgriff. Die höchst kunstvolle Musik ist volksnah komponiert, einzelne Sätze haben gar einen volkstümlichen Einschlag. Nach der Programmouvertüre, die den Obergang vom Winter zum Frühling darstellt, stehen bei Haydns Frühling Aussaat und Hoffnung im Zentrum.

Der Frühling op. 20 von Sergej Rachmaninow zeigt auf, wie äussere Einflüsse der Natur direkt auf seelische Vorgänge wirken.
Als Grundlage diente ein Gedicht von Nikolaj Nekrasov. Hier gesteht eine Bauern­frau im Winter ihrem Mann, dass sie ihm im Sommer während seiner Abwesenheit untreu gewesen ist. Die immer düster werdenden und von Rachegefühlen domi­nierten Gedanken des Bauern werden durch den einsetzenden Frühling wieder mil­der. Letztendlich siegen Liebe und Vergebung.
Rachmaninow wurde in seiner Petersburger Kindheit stark von vokaler Kirchenmu­sik geprägt. So schätzte er seine diversen Vokalkompositionen sehr hoch ein. Die 1902 entstandene Frühlingskantate hat stark autobiographischen Charakter, bedeu­tete doch die Komposition gleichsam das Erwachen aus einer lange andauernden Depression, welche ihn nach dem Scheitern seiner 1. Sinfonie eingeholt hatte.
Das Werk gelangt in russischer Originalsprache zur Aufführung.

In der Nacht vor dem 1. Mai sollen auf dem Blocksberg jeweils Hexen besondere Kräfte entfalten. Angeregt durch diese alte Volkssage liess sich wohl Goethe dazu inspirieren, seine Ballade Die erste Walpurgisnacht zu schreiben, wobei er mit sensi­blem Humor christlichen mittelalterlichen Aberglauben darstellt. Karl Friedrich Zel­ter hätte die Musik dazu komponieren sollen, fühlte sich jedoch mit der satirischen Textvorlage überfordert. Anders Felix Mendelssohn. Während seines Romaufenthal­tes 1830/31 stellte er das Werk weitgehend fertig, 1833 wurde es in der Berliner Singakademie uraufgeführt. Wie bei Haydn stellt auch die Ouvertüre von Mendels­sohn den Obergang vom Winter zum Frühling dar. Eigentliches Kernstück der Kom­position ist jedoch das Höllenspektakel Kommt mit Zacken und mit Gabeln, wobei
ein heidnischer Volksstamm seine christlichen Unterdrücker mittels inszeniertem Höllenspuk vertreibt, um seinen alten heil'gen 8rauch ungestört weiterfeiern zu können.
Das Werk stellt einen Höhepunkt der weltlichen Kantatenkomposition des 19. Jahr­hunderts dar




 





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